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Ackerupdate von Anne

Es ist soweit: der Acker erwacht, wenn auch zaghaft, allmählich aus seinem Schlummerschlaf. Die ersten Frühjahrsblüher stecken ihre Spitzen hervor und schnuppern die nicht so wirklich frische Luft an der Von-der- Tann-Straße. Noch bedeckt eine schützende Schicht aus Laub, Überresten der Vorjahreskulturen und Zwischenfruchtpflanzen das Erdreich. Im Schnee konnte man auch schon viele Spuren unserer frechen Ackerhasen erspähen. Um diese Zeit stehen vor allem Planungsaufgaben und Vorbereitungen für die kommende Ackersaison auf der gärtnerischen Agenda: wir erarbeiteten den neuen Plan aufgrund der aktuellen Zahlen des FAO-Berichts; im Zuge dessen sichteten wir auch das Saatgut.



Einige Stunden brachten wir mit der Reinigung

des wertvollen (Saat)Guts zu - es galt, die Samen aus ihren Hüllen und von den restlichen Pflanzenteilen zu befreien. Da wurde gepustet und geföhnt, gemörsert und gesiebt und natürlich hinterher gesaugt, was das Zeug hielt. Auch ein paar Kinderhände durften sich am Bohnenpulen und Erbsensortieren versuchen. Außerdem möchten wir die etwas verwaisten Kompost-Kästen mit mehr Leben füllen. Millionen neuer Bewohner*innen sollen dort bald einziehen dürfen. Demnächst werden mehrere Kompost-Mieten aufgesetzt. Einen Komposthaufen richtig zu komponieren ist gar nicht so einfach. Ganz genau stimmen muss das sorgfältig ausbalancierte Verhältnis zwischen den möglichst vielseitigen Materialien, damit die „Rotte“, wie man sie nennt, in Gang kommt. Wir möchten neben etwas reifem Kompost vom Vorjahr, gehäckselten Zweigen und Getreidestroh auch Pferdemist und Gerstentreber in unsere Haufen

integrieren. Gerstentreber, das sind die Rückstände, die beim Bierbrauen entstehen. Die bekommen wir von der Altdorfer Brauerei. Dünne Schichten aus bodenaktivierendem Mehl und Hornspäne ergänzen die Mischung.


Tipps & Tricks:

Komposthaufen, die im zeitigen Frühjahr oder besser schon im Herbst des Vorjahres aufgesetzt wurden, liefern im Sommer reifen Kompost, der den Pflanzen den nötigen Energiekick gibt. Kompost darf nie „begraben“ werden, sondern wird als dünne Schicht auf die Beete aufgebracht und leicht eingearbeitet. Außerdem sollte er stets bedeckt sein, vor allem, wenn es sich um Kompost handelt, der noch „arbeitet“. Eine dünne Schicht Laubmulch, Heu oder Stroh ist eine gute Wahl, wenn es darum geht, die zahlreichen

Mikro- und Makroorganismen vor Austrocknung und starken Sonnenstrahlen zu schützen. Reifer Kompost besteht den „Kressetest“: sät man auf ihm einige Kressesamen aus, gedeihen diese gut. Sehen die Keimlinge kümmerlich und gelblich aus, ist der Kompost noch nicht reif: die Zersetzungsprozesse machen den Pflänzchen (noch) zu schaffen. Als Mulch kann dieser halbfertige Kompost jedoch schon genutzt werden. Es findet dann eine Kompostierung auf dem Beet statt, was für das Mikroklima im Boden nur zu begrüßen ist.


Eine weitere Aufgabe war das Umwandeln unseres Geodäts in eine frostfreie Anzuchtstation. Mithilfe von

transparenten Planen wurde innen ein möglichst abgedichteter Raum kreiert. Eine Bio-Gas-Gewächshausheizung wird fürpflanzenfreundliche Temperaturen sorgen. Unsere Exoten, die Baumwoll- und Erdnusspflanzen, haben dahingehend durchaus etwas höhere Ansprüche. Als zusätzliche „Wärmepackung“ von unten dienen Mist-Beete, auf denen die Anzuchtschalen stehen sollen.


Tipps & Tricks:

Auch Zuhause kann man diese uralte Gärtnermethode nutzen: traditionellerweise werden

„Mistheizungen“ unter Frühbeetkästen angelegt. Das sollte ungefähr zwei Wochen vor Benutzung geschehen. Dazu hebt man einen etwa 60 Zentimeter tiefen Graben aus; dort, wo später der Beetkasten stehen soll. Hinein kommen nun circa 30-40 Zentimeter frischen Mists, am besten Pferdemist, da dieser am „hitzigsten“ ist. Der leicht feuchte, aber nicht nasse Mist wird etwas festgedrückt, aber nicht zu sehr, da noch Sauerstoff für die Zersetzungsprozesse benötigt wird. Darüber kommt eine 15-30 Zentimeter dicke

Schicht Gartenerde. Diese Schicht ist wichtig, damit die Wurzeln der Pflanzen nicht am frischen Mist verbrennen. Die Kompostierungsprozesse setzen Wärme frei und ermöglichen schon früh im Jahr erste Gemüseaussaaten. In unserem Geodät haben wir eine Kombination aus Mist- und Hügelbeet ausprobiert. Das Beet wurde nicht so tief ausgehoben und neben der Schicht Pferdemist noch durch gehäckselte Stängel, halb verrottetes Laub und Kompost ergänzt. Wenn kein Frost mehr droht, sollen auf diesen Beeten empfindliche Gewächse wie Paprika, Chilis und Melonen gepflanzt werden.



Auch auf dem Weltacker hat die Ackerbohne ihren Platz - dieses Jahr sind es 2,6 Quadratmeter.
Auch auf dem Weltacker hat die Ackerbohne ihren Platz - dieses Jahr sind es 2,6 Quadratmeter.

Frühe Freuden


Eine alte Kulturpflanze, die bereits vor über 8000 Jahren im Orient angebaut wurde, ist die Ackerbohne (Vicia faba), die botanisch nicht mit den Bohnen (Phaseolus), sondern mit Wicken verwandt ist. Sie benötigt Kälte, um sich standfest und gesund zu entwickeln. Bereits Ende Februar oder in der ersten Märzhälfte können die dicken Bohnen tief in die Erde gesteckt werden (5-8 Zentimeter, je nach Bodenverhältnissen). Zwischen Mai und September sind die Bohnen reif. Sie finden ihren Platz vor allem in traditionellen Rezepten der orientalischen Küche. Die Energiebomben haben einen hohen Eiweißgehalt und bereichern uns mit vielen Spurennährstoffen. Aufgrund der Anfälligkeit gegenüber Läusen ist es ratsam, bei Befall rechtzeitig zu reagieren und die Pflanzen mit umweltschonenden Präparaten wie Schmierseifenlösungen oder Pflanzenbrühen zu behandeln.


 
 
 

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