Acker-Update - Griaß di Gott am Weltacker
- Anne Blüml
- vor 4 Stunden
- 2 Min. Lesezeit

Unser Acker überrascht doch immer wieder. Seien es künstlerische Verrenkungen des
Schlauches, Festnahmen dubioser Gestalten vorm Gemüsegarten, raffinierte Krähen oder
Besucher*innen, die ganz dringend mal müssen…lest selbst!
Endlich ist es soweit: alle Kulturen sind nun ausgesät oder gepflanzt. Wie es der Juni so an sich hat, kann man den Sprösslingen, Keimlingen und Setzlingen beinahe stündlich beim Wachsen zusehen. Eine regenreiche Woche tat ihr Übriges. Doch wie immer, gibt es auch eine dunkle Seite der Medaille.
Der muss man beispielsweise ins Auge sehen, wenn nach Tagen oder Wochen des Wartens
endlich die großen weißen Vliesteppiche aufgedeckt werden, die die Aussaaten vor Vogelfraßschützen (sollen). Wer zuvor noch die wunderbar sauberen, frisch gefrästen Flächen bestaunt hat, die nur durch sanfte Spuren der Semdner (der Sämaschine) unterbrochen wurden, wird vom Glauben abfallen, wenn der Schleier sich nach zwei oder drei Wochen lüftet. Meistens wölbt sich das Vlies zuvor, und man kann erste Reihen erahnen, wenn die Pflanzen wachsen. Nicht immer aber rührt die Wölbung von grünen Gesellen, die man dort auch haben möchte. Der Mais wuchs, allerdings nicht so, wie erhofft (hier ist ein uns unbekannter Schädling am Werk, die mögliche Palette reicht von Maus bis Bohnenfliege), und mit ihm wuchs auch einer meiner ärgsten Feinde, eine Hirseart, heran.
Das sah dann in etwa so aus:

Da kommt dann doch mal etwas Frust auf. Aber dafür wird man reich belohnt mit ersten
Erntefreuden aus dem Gemüsegarten, dem in den Ähren stehenden Getreide und allem Anderen, das nicht den Mitessern des Ackers zum Opfer gefallen ist.

Durch seine prekäre Lage im Stadtbild ergeben sich auf dem Nürnberger Weltacker nicht nur
erfreuliche Begegnungen. So wurde vor ein paar Monaten erst ein vor der Polizei Flüchtender auf unserer Wildkamera verewigt. Vor zwei Tagen kam es dann zur Verhaftung eines verwirrt wirkenden Passanten, der auf der Suche nach einer schwarzen Sporttasche mit wohl wertvollem Inhalt war. Im Streukasten nebenan bewahrt ein Obdachloser seinen Hausrat auf, was wir entdeckten, als wir meinten, in punkto Drogenfahndung auf einer heißen Spur zu sein. Auch kam es zu einem prägenden Ereignis, als ein unter Diarrhöe leidender Mann, der im Stau feststeckte, bei uns um Wasser bat und meinte, sich vor unseren Augen waschen zu müssen…

Wir konnten bereits erste Ernten einfahren: Neben Pak Choi gab es Radieschen, Pflücksalat und (faserige) Zuckerschoten, außerdem Kräuter und Erdbeeren.
Nicht nur für uns gab etwas zu Naschen: Tauben hackten das Vlies durch und fraßen die Linsen, während die schlauen Krähen erst am Abend kommen, sich mit gespreizten Flügeln in den Acker legen (warum, ist unklar) und das Vlies weg zupfen, um sich ihren Teil zu holen. Um die Hasen von zarten Trieben fernzuhalten, bauten wir viele Zäune, sodass auf dem Weltacker nun ein Hauch von JVA-Flair eingekehrt ist. Vielleicht wird es wieder hübscher, wenn das Drahtgeflecht mit Wimpelketten geschmückt ist. Oder wenn das Unkraut blüht.
Zum Abschluss noch ein kleines Rätsel:
Na, was könnte das für ein Getreide sein? Einsendungen werden belohnt! In welcher Form, bleibt ungewiss.
In diesem Sinne: bis bald wieder auf dem Weltacker, Pfiad’ di!








Kommentare