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Partneräckertreffen 2023 in Nürnberg

Vom 10.02. bis 12.02.2023 fand das zweite internationale Partneräckertreffen statt. Das Team des Weltacker Nürnbergs durfte dieses besondere Zusammentreffen ausrichten.

Partneräckertreffen in Nürnberg 2023, ©Elna Tietböhl, Innovation und Zukunft Stiftung

 

Freitag

Freitag. Ortszeit ca. 14:00 Uhr. Unsere Gäst:innen trudeln in Nürnberg ein. Erster Treffpunkt für dieses Wochenende ist das Restaurant Paradies, im Stadtteil St. Johannis. Die Wahl auf dieses Restaurant fiel schnell, da das Paradies und sein Team von 2020 bis 2021 Partner des Pilotprojekts von "Rest-e-los genießen - Nachhaltige Gastronomie" von SDGs go local war.


Essbare Stadt, ©Weltacker Wien

Ortszeit ca. 16 Uhr. Die meisten Teilnehmer:innen des Partneräckertreffens sind im Paradies angekommen. Nach einer kurzen Begrüßung unsererseits konnten wir mit unserem ersten Programmpunkt des Wochenendes starten.

Das Paradies liegt fußläufig zu einem weiteren Projekt von SDGs go local, den Gemeinschaftsgärten / der Essbaren Stadt: Bielingplatz & Lindengarten. Hier wurde unseren Gäst:innen gezeigt, welche Synergien zwischen dem Weltacker, der Essbaren Stadt vom Bluepingu e.V. und SDGs go local herrschen. Und wie SDGs go local die 17 Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDGs) auf die Straße bringt und den Anwohner:innen Partizipation ermöglicht.


Essbare Stadt (Bielingplatz), ©Weltacker Wien

Nach diesem ausgiebigen und zugleich lehrreichen Spaziergang ging es zurück ins Paradies. Dort stellten sich alle Weltäcker noch einmal untereinander vor. Bei den 15 verschiedenen Standorten aus Deutschland, Schweiz und Österreich kann man schon mal den Überblick verlieren, welches Gesicht zu welchem Weltacker gehört trotz regelmäßigen Online-Meetings.

Nach einem kurzen Input zum Ablauf des Wochenendes unsererseits, ging es zum entspannten Teil des Abends über. Gemeinsames Abendessen, gemütliches Beisammensein und einem regen Austausch untereinander, welcher das ganze Wochenende über stattfinden sollte.


©Innovation und Zukunft Stiftung


©Elna Tietböhl, Innovation und Zukunft Stiftung

Vielen lieben Dank an das Team des Restaurant Paradies für die hausgemachten Schorlen, die regionalen Bier und vor allem das leckere saisonale vegane Buffet, welches ihr uns in eurer Küche gezaubert habt.


 

Samstag

Mit voller Tatendrang geprägt von den ersten Gesprächen, trafen wir uns am Samstagvormittag im CPH, um unser Tagesprogramm zu starten.


Prof. Dr. Tobias Gaugler - How much is the dish?
Prof. Dr. Tobais Gaugler, der wahre Preis, ©Elna Tietböhl, Innovation und Zukunft Stiftung

Ortszeit 10:00 Uhr. Den Auftakt machte unser erster geladener Gast, Prof. Dr. Tobias Gaugler (Management in der Ökobranche, Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm), mit seinem Vortrag :

"How Much is the Dish? - Was kosten uns unsere Lebensmittel wirklich?"

Gaugler zeigte mittels seiner Forschung auf, dass im Vergleich zu anderen Ländern sowie im Vergleich zu früher, Lebensmittel in Deutschland recht billig sind. Den Preis, den man aber heute dafür bezahlt, um satt zu werden, nur die halbe Wahrheit widerspiegelt. "Unter den Tisch" fallen nämlich viele Folgekosten, die die Produktion von Lebensmitteln mit sich bringt.



Was also müssten Lebensmittel wirklich kosten, wenn wir die Umwelt- und gesellschaftlichen Folgekosten sowie die Kosten für eine artgerechte Tierhaltung an der Ladentheke mit bezahlen würden? Fakt ist das theoretisch bei den aktuellen Preisen ein Aufschlag von bis zu 170% stattfinden müsste um die true costs (wahren Kosten) zu decken.

Prof. Dr. Tobias Gaugler, der wahre Preis, ©Elna Tietböhl, Innovation und Zukunft Stiftung

Dabei sind die "wahren" Preise, laut Gaugler, aber auch nur halbwahre Preise, da nicht jeder Indikator in seiner Studie mit einbezogen werden konnte. Die Schlüsselindikatoren seiner Studie waren Stickstoffdevirate, Treibhausgasemissionen, Landnutzungsänderungen und Energie. Wir waren uns trotz alledem einig, dass selbst der halbwahre Preis unbeschönigter ist im Vergleich zum heutigen Status Quo.

Dieser ist kostspielig, nicht bezüglich der Lebensmittel, sondern für Umwelt und Klima.


Die Landwirtschaft macht uns satt, mehr als genug satt. Dafür nehmen wir einen hohen Flächenverbrauch, einen hohen Wasserverbrauch und eine große Menge CO2-Emissionen in Kauf. 1/4 der CO2-Emissionen gehen auf die Landwirtschaft zurück. Und wusstet ihr, dass 71% dessen allein auf tierische Produkte zurückzuführen sind?

Immer wieder eröffnete Prof. Dr. Tobias Gaugler Diskussionsrunden, um mit uns in den Austausch zu gehen. Es gab Kritik, es gab Zustimmung, es gab Fragen, es gab Antworten.


Wir bedanken uns hiermit nochmals rechtherzlich bei Prof. Dr. Tobias Gaugler, welcher sich die Zeit genommen hat uns seine Studie vorzustellen, produktive Gespräche führte und mit weiteren Denkanstößen versorgte.


 

Nach einer kurzen Verschnaufpause ging es bereits mit unserem ersten internen Vortrag weiter. Ein Thema, welches uns Weltäcker bereits seitdem letzten Partneräckertreffen intensiv

beschäftigt:


Planetary Health Diet (PHD)
Planetary Health Diet, ©Elna Tietböhl, Innovation und Zukunft Stiftung

Ortszeit 11:30 Uhr. Was genau ist eigentlich die PHD? Die PHD ist eine Strategie für Landwirtschaft und Ernährung, sie bezieht sowohl die Gesundheit des Menschen als auch der Erde mit ein. Ein internationales Team von 37 Wissenschaftler:innen hat mit diesem Anspruch einen eigens angefertigten Speiseplan entworfen, in dem aufgezeigt wird wie sich 2050 ganze 10 Milliarden Menschen gesund und nachhaltig ernähren lassen.

Annika (Berlin) und Saja (Osnabrück) führten uns kurz und bündig in die Thematik ein, bevor Saja von ihrem Weltacker erzählte. Sie und ihr Team aus Osnabrück haben nämlich auf ihrem Acker prozentual Kulturen nach dem Prinzip der PHD angepflanzt. Sie weichen somit ein wenig von der "klassischen" Weltacker-Kulturenaufteilung ab. Ihr erinnert euch? Das ursprüngliche Prinzip des Weltackers, welches in Berlin entstand, zeigt prozentual auf welche Ackerkulturen auf der Welt hauptsächlich angebaut werden. Saja berechnete die Gesamtfläche für ökologischen Lebensmittelanbau, welche in einem Jahr in Deutschland pro Person gebraucht werden (inklusive Dauerkulturen) mit einem durchschnittlichen Kalorienverbrauch von 2500 am Tag. Es wurde anschließend besprochen, welche Herausforderungen noch zu meistern sind, um diese Strategie noch genauer im Anbau umzusetzen. Diese Thematik sowie ein gemeinsames Bildungskonzept,welches entwickelt werden soll, wurde am Nachmittag in einer von vielen Arbeitsgruppen genauer diskutiert.


Nähere Informationen zur PHD werdet ihr bald in einem separaten Blogeintrag bei uns erfahren.

 
Global Bean

Ortszeit: 13:00 Uhr. Nach einer Stärkung beim Mittagessen ging es weiter mit dem Vortrag von Lisa (Berlin) über Global Bean.


Global Bean, ©Elna Tietböhl, Innovation und Zukunft Stiftung

Global Bean ist ein Projekt, welches mehr als 80 Partner:innen in ganz Europa sowie in Kenia, Indien und den USA vereint. Von Köch:innen, über Influencer:innen über SoLaWis bis hin zu Instituten und Universitäten. Das Netzwerk von Global Bean ist vielfältig, sowie ihr Auftrag. Sie teilen und präsentieren inspirierende Erfahrungen und praktisches Wissen über Leguminosen (Hülsenfrüchtler). Darunter fallen öffentliche Gärten und Saatgutbörsen, monatliche Treffen und Vorträge, sowie Informationsblätter und Werbemedien. Lisa zeigte u.a. auf, dass Hülsenfrüchte die Bodenfruchtbarkeit verbessern, gute Eiweißlieferanten sind und die Artenvielfalt bereichern.

Nach Lisas Einführung wurden die Möglichkeiten zur Teilnahme der Weltäcker am Global Bean Projekt besprochen. Dies war besonders für die entstehenden Weltacker-Partner:innen interessant. Denn bestehenden Äcker, wie bspw. in Attiswil sind bereits seit geraumer Zeit ein wichtiger Bestandteil dieses Projekts.


 
Kleingruppen

Ortszeit: 14:15 Uhr. Ein fließender Übergang in unsere Kleingruppen, welche in zwei Blöcken aufgeteilt wurden. In diesen Gruppen wurden nicht nur die aktuellen Stände der jeweiligen Weltäcker gesprochen, sondern auch gemeinsam daran gearbeitet, wie man sich noch besser vernetzen und unterstützen kann.

©Elna Tietböhl, Innovation und Zukunft Stiftung

Es wurde über gemeinsame Bildungskonzepte gesprochen, wie sich die Finanzierung der internationalen Weltäcker verhält und worauf man bei Anträgen und Spendengenerierung achten muss. Die Statistik-Kleingruppe beschäftigte sich mit dem Schwerpunkt der Quellenarbeit: Welche Literatur und welche Quellen sind (wissenschaftlich) fundiert, verwendbar und wie trägt man dieses gesammelte Wissen sinnvoll zusammen.


©Elna Tietböhl, Innovation und Zukunft Stiftung

Beim Gärtner:innenaustausch konnten die "Greenhorns" den alteingesessenen Gärtner:innen ihre Fragen stellen und sich Rat abholen wie die Bewirtschaftung auf einem Weltacker funktioniert. Denn eins ist klar, der Weltacker ist nicht mit einem konventionell oder ökologischen Acker von mehreren Hektar Land zu vergleichen.


©Elna Tietböhl, Innovation und Zukunft Stiftung

In den Kleingruppen von Global Bean und Planetary Health wurden die gestarteten Gespräche der Vorträge vertieft, es wurde über ein gemeinsames Bildungskonzept der PHD beratschlagt und wie man Global Bean sichtbarer auf den Weltacker bringen kann. Eine weitere Kleingruppe beschäftigte sich mit der Ernährungsstrategie der Bundesregierung und wie man sich als Weltäcker gemeinsam politisch einbringen kann.


 

Julia Schrader (SDGs go local, Bluepingu e.V.) - "Ernährungswende lokal –

ein Beispiel aus Nürnberg"

Julia Schrader, SDGs go local & Bluepingu e.V., ©Elna Tietböhl, Innovation und Zukunft Stiftung

Ortszeit: 17:15 Uhr. Den Abschluss für unser samstägiges Tagesprogramm im CPH machte Julia Schrader mit ihrem Vortrag über das Projekt SDGs go local und wie sie die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen in Nürnberg, Fürth und Offenhausen auf die Straße bringen. Durch Projekte wie Lebensmittelrettung, Lastenräder und Kunstprojekte in und mit der Öffentlichkeit. In ihrem Vortrag zeigte Julia auf, wie spezifische Projekte und Initiativen die Ernährungswende von unten antreiben. Diese rücken die Verknüpfung einzelner Projekte und die Bündelung von Kompetenzen in den Mittelpunkt. Insbesondere der Ernährungsrat für Nürnberg und Umgebung (ENU) unterstützt die Ernährungswende durch Bildungsarbeit, Öffentlichkeitsarbeit und Koordination lokaler Akteur:innen, während die Essbare Stadt Nürnberg den Aufbau von öffentlichen Gemeinschaftsgärten initiiert.

 

Ortszeit 19:00 Uhr. Viel haben unsere Köpfe gearbeitet an diesem Tag. Aber wir wollten uns noch nicht voneinander trennen und ließen den Abend gemeinsam im Zeit & Raum bei leckerem Essen und dem ein oder anderen Getränk ausklingen.


©Elna Tietböhl, Innovation und Zukunft Stiftung

 

Sonntag

Ortszeit 09:30 Uhr. Wir starteten mit den Präsentationen unserer Arbeitsgruppen. Jedes Team stellte ihre erarbeiteten Ergebnisse vom Samstag vor.


Weltacker-Kodex
Weltacker-Kodex-Besprechung, ©Elna Tietböhl, Innovation und Zukunft Stiftung

Ortszeit: 10:30 Uhr. Nächster Punkt auf unserer Tagesordnung: Besprechung des gemeinsamen Weltacker-Kodex.


Vor vier Jahren wurde der erste Weltacker-Kodex entworfen, welcher bis heute kaum Verwendung fand. Aber die Zahl der Weltäcker wächst und somit auch das Bedürfnis sich genauer zu definieren. Wie sehen wir den Weltacker, was wird thematisiert und warum gibt es uns überhaupt?


Nach einem kurzen Input von Benedikt Härlin (von uns auch liebevoll Benny genannt), dem Gründer des ersten Weltackers überhaupt (Berlin) teilten wir uns in Kleingruppen.

Weltacker-Kodex-Besprechung, ©Elna Tietböhl, Innovation und Zukunft Stiftung

In diesen Gruppen wurde darüber diskutiert, welche Eigenschaften, Botschaften und Ziele in unseren Weltacker-Kodex gehören. Anschließend wurden alle Wünsche und Ideen in einem Mindmap zusammengetragen und einzelne Punkte genauer besprochen. Viele Köpfe, viele Wünsche, viele Ideen. Verständlich, das so ein Kodex nicht innerhalb eines Vormittags überarbeitet ist. Der Schritt Richtung Neudefinierung wurde in die Wege geleitet und wird in Zukunft weiter überarbeitet werden. Dies dient nicht nur den bestehenden Weltäckern als Orientierung, sondern auch denen die in Zukunft entstehen werden.


 
Besichtigung des Weltacker Nürnberg
Alex bei seiner ersten Ackerführung, ©Elna Tietböhl, Innovation und Zukunft Stiftung

Krönender Abschluss des Wochenendes: Alex (Gärtner des Weltacker Nürnbergs) durfte seine allererste Ackerführung geben. Unsere Gäst:innen mussten zwar noch ein wenig ihre Fantasie spielen lassen, aber das hat dem besonderen Ereignis nichts abgetan.

In vielerlei Hinsicht sind sich die Weltäcker ähnlich. Und dennoch ist Weltacker nicht gleich Weltacker. Jeder hat seine besondere Form, Aufteilung der Wege, der Fruchtfolge usw. Alex brachte die anderen Weltäcker auf den neuesten Stand unserer Arbeit, was für die Zukunft geplant ist und welche Besonderheiten auf unserem Weltacker vorzufinden sein werden (Teaser: Syntropisches Agroforstsystem)



Weltacker Nürnberg, ©Elna Tietböhl, Innovation und Zukunft Stiftung

 
Saatgut-Tauschbörse & Weltacker-Erden

Ein weiteres Highlight am Wochenende war unsere Saatgut-Tauschbörse. Viele verschiedene Sorten brachten unsere Gäst:innen aus ihrer Heimat mit. Es wurde fleißig hin und her getauscht.

©Elna Tietböhl, Innovation und Zukunft Stiftung

Weltacker-Erden, ©Elna Tietböhl, Innovation und Zukunft Stiftung

Aber auch die mitgebrachte Erde unserer Partner:innen, war für uns eine Besonderheit. Spannend für alle zu sehen, wie die Bodenbeschaffenheiten der jeweiligen Weltäcker sind. Von sandig über lehmig oder der sehr steinigen Nachbarerde aus Landshut, war alles vertreten.

Diese werden selbstverständlich einen besonderen Platz auf dem Weltacker Nürnberg bekommen. Ihr dürft gespannt sein.


Alles in allem war es ein sehr inspirierendes, motivierendes und auch lustiges Wochenende. Für uns vom Weltacker Nürnberg war dieses Event eine Premiere und dazu ein voller Erfolg. Danke an alle Teilnehmer:innen, Unterstützer:innen und Vortragenden.



Wir machen uns jetzt mal nicht vom, sondern auf den Acker. Im Gepäck eine große Portion an Motivation!


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